Sich lebhaft erinnern und auf Zukunft einstellen
Das „Haus der Geschichte“ in Bonn mit seiner neu konzipierten Ausstellung „Du bist Teil der Geschichte – Deutschland seit 1945“ faszinierte die 54 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reise von „Jubilate Deo“ auf den ersten Blick. Die alltäglichen Gegenstände und außerordentlichen Objekte der Ausstellung riefen Erinnerungen wach, wie man selbst die Zeit zwischen 1945 bis heute erlebt hat. Ob es die „Nissen“ waren – kleine Hütten mit einem Wellblechdach, in denen Heimatvertriebene und Flüchtlinge nach 1945 zunächst untergebracht wurden – oder das Leichtmetall-Flugzeug, mit dem 2 Brüder noch 1989 von West- nach Ostberlin flogen, um ihren in der DDR lebenden Bruder nachts heimlich in den Westen zu bringen (die ganze Aktion dauerte nur 11 Minuten): schnell waren eigene Fluchtgeschichten oder das Nacherleben eigener Lebenserfahrungen präsent. In 3 Gruppen geführt konnte man sich wegen der Headset-Übertragung auch noch nebenher miteinander verständigen, ohne den Anschluss zu verlieren. Schnell war klar, dass viele Details während der 90 Minuten in den 5 Abteilungen des Museums gar nicht wahrzunehmen waren. Fazit: ein Besuch im „Haus der Geschichte“ lohnt ungemein.
An die Erfahrungen des Vormittags knüpfte der Mittag an. Die evangelische Kirche in Oberpleis ist ein Baudenkmal besonderer Art. Der Anlass: die vielen evangelischen Flüchtlinge und die in den Bonner Raum neu hinzuziehenden evangelischen Mitarbeitenden in den Ministerien suchten im zu über 90% katholischen Rheinland einen Ort, um Gottesdienste zu feiern und als Kirchengemeinde leben zu können. Der Architekt Otto Bartning hat dazu ein Modell nach Bauhaus-Prinzipien entworfen, die „Notkirche vom Typ D“, die mit Ständerwerk erbaut und bei Bedarf wieder abgebaut und an anderer Stelle neu errichtet werden kann. Presbyter Kai Zielke stellte die Bauweise der Kirche dar. Die Notkirchen sind mit international eingesammelten Spenden gebaut worden. Immer, wenn genug Geld da war, konnte eine weitere Kirche gebaut werden. Die einladende Atmosphäre und vielseitige Nutzbarkeit der 3-schiffigen Kirche überzeugen bis heute. Letzter Beleg dafür waren die etwa 20 Kinder, die nach dem Besuch zur Fortsetzung ihrer Musical-Probe in die Kirche strömten. Vorher gab Pfr. Arndt Klemp-Kindermann Auskunft über seine Gemeinde, die seit wenigen Jahren aus 4 Gemeinden zusammenwächst als „Evangelische Kirchengemeinde Siebengebirge“. Anlass war die Pfarrstellenplanung in der Rheinischen Kirche. Deutlich wurden die Chancen eines Zusammengehens, die sich z.B. im Konfirmandenunterricht, der Jugendarbeit und der Kirchenmusik, beim gemeinsamen Gemeindefest und thematischen Veranstaltungen zeigen. Die Wermelskirchener Gäste boten ihre Erfahrung an: sie kamen aus allen 4 Bezirken der Stadt, aus Dabringhausen und Dhünn. Auf diese Weise hatte der 20-Personen-Chor Jubilate Deo eine Chance, eine Busreise zu organisieren.
Bei bestem Wetter, angenehmen Pausen mit vielen persönlichen Gesprächen und dem abschließenden Besuch der Klosteranlage Heisterbach eine bereichernde Erfahrung.
Text: Johannes Haun
