Interview mit Kantor Andreas Pumpa: „Singen tut gut“

Gespräch mit Kantor Andreas Pumpa „Singen tut gut“ (aus dem Gemeindebrief vom Januar 2026) nachlesen:

Singen tut gut

Ein Gespräch mit Kantor Andreas Pumpa zur Arbeit mit dem Chor „Jubilate Deo“

J.H.: Ich möchte gern zum Mitsingen bei „Jubilate Deo“ einladen, dem Chor der Kirchengemeinde für ältere Sängerinnen und Sänger. Seit etwa 10 Jahren singe ich mit und es macht mir viel Freude. Ich merke, dass sich meine Stimme im Laufe des Chorsingens verändert hat. Sie klingt „runder“ und – wie mir scheint – „lebendiger“.

A.P.: „Jubilate Deo“, das ist ein freundliche, offene Chorgemeinschaft. Sie ist neugierig auf unterschiedliche Chorliteratur und daran interessiert, eine Erfahrung zu teilen, die Mut macht: miteinander zu singen.

J.H.: Dazu gehört ein kenntnisreicher, engagierter Chorleiter, der so viel Humor hat, dass wir über unsere eigenen Fehler lachen können. Wie wir uns gemeinsam freuen, wenn es uns gelingt, ein Stück gut zu gestalten. Leider halten manche Menschen nicht viel von ihrer eigenen Stimme, obwohl sie gern singen würden. Es muss unheimlich viele Musiklehrer gegeben haben, die Kindern geraten haben, besser zu schweigen. Doch es gibt auch aktuelle Einwände: „Meine Stimme ist seit einiger Zeit so brüchig und spröde geworden. Ich traue mir nicht mehr zu, in einem Chor zu singen.“

A.P.: Das ist eine ganz häufige Antwort. Und sie hat gute Gründe. Das Altern wirkt sich auch auf die menschliche Stimme aus. Die Muskeln im Kehlkopf werden schwächer. Dadurch wird der Tonumfang kleiner. Die Stimmbänder sind nicht mehr so elastisch wie in jungen Jahren. Aber!: viele ältere Menschen haben erkannt, dass sie etwas tun müssen, um ihre körperliche Fitness im Allgemeinen zu stärken. Sie gehen in Fitness-Studios oder in die Physiotherapie, gehen zum Thai Chi oder machen Yoga und erzielen erstaunliche Ergebnisse. Sie erhalten sich ihre Beweglichkeit.

Das gilt in gleicher Weise für die Stimme. Regelmäßiges Stimmtraining zeigt Erfolge. Besonderen Spaß macht es, wenn man das in einem Chor gemeinsam mit anderen übt und nicht für sich allein bleibt. Es klingt dann so, dass man das eigene Singen besser leiden kann und sich traut, anderen etwas vorzusingen.

J.H.:  Manche fühlen sich gehemmt: „Die anderen sind so sicher, da kann ich nicht mithalten.“

A.P.: Das ergeht mir selbst als Profi so, wenn ich neu in eine Gruppe komme. Nur: in einem Chor brauche ich nicht solistisch aufzutreten. Da singen andere neben mir, die mir helfen, den Rhythmus zu halten und die richtigen Töne zu finden. Man freut sich gemeinsam, wenn es dann nach vielen Wiederholungen und mit gezielten Hilfestellungen gelingt, nicht nur in einer Stimmlage gemeinsam zu singen, sondern mit 3 anderen Stimmen, einen 4-stimmigen Satz zum Klingen zu bringen.

J.H.: Wir wissen ziemlich gut: Singen fördert die Gesundheit.

A.P.: Es hat damit zu tun, dass man beim Singen lernt, richtig zu atmen. Von dieser Atemtechnik profitieren Gehirn und Herz und alle anderen Organe, weil sie für gute Durchblutung sorgt. Ein weiterer Effekt: man steht gut da, im Sinn des Wortes; denn zum richtigen Atmen gehört ein Wechsel von Anspannung und Entspannung.  Die Rückenmuskulatur wird gestärkt und man trainiert sich singend wie beim Dauerlauf und gewinnt nebenbei eine aufrechte Haltung. Singen tut gut.

J.H.: Welche Bedingungen gibt es, die gerade älteren Sängerinnen und Sängern bei „Jubilate Deo“ entgegenkommen?

A.P.: Es gibt keine Aufnahmeprüfung. Alle, die Lust haben mitzusingen, können einfach kommen. Die Stücke, die wir singen, sind dem Tonumfang älterer Menschen angepasst. Man kann bei der Stimme bleiben, die man vorher gesungen hat, und muss nicht in eine andere Stimmlage wechseln. Die Proben finden 14-tägig am Dienstagvormittag statt – es ist also zu jeder Jahreszeit hell. Wir nehmen Rücksicht aufeinander, nehmen uns nicht wenig, aber auch nicht zu viel vor. Wir achten darauf, dass man nicht zu lange stehen muss.

J.H.: Der Chor möchte die Gottesdienstgemeinde durch Vor- und Mitsingen unterstützen in ihrem eigenen Gesang.

A.P.: Das Singen erleichtert die Begegnung mit geistlichen Inhalten. Die Musik vermittelt ein Gefühl dafür, was es heißt, hoffen zu dürfen, Liebe zugetraut zu bekommen und Lebensfreude zu empfinden. Wenn man das als Sängerin und Sänger für sich merkt, ist es nur ein Schritt weiter, diese Botschaft glaubhaft zu vermitteln. Daran arbeiten wir.

Weitere öffentliche Auftritte haben Konzertcharakter und laden zugleich die Zuhörerinnen und Zuhörer ein, in den Gesang miteinzustimmen.

J.H.: Entsprechend ist dann auch das Liedgut des Chores gestaltet.

A.P.: Ja. Es ist oft choralbezogene Musik – quer durch die Musikstile der Jahrhunderte; es sind kleinere Werke geistlicher Musik, die sonst wenig zu hören sind. Aber es sind auch Volkslieder, die vielen bekannt sind und zum Mitsingen einladen. Wichtig für jede Liedform ist: wenn sie gut geprobt gesungen wird, entstehen für alle neue Lieder, die einen unmittelbar ansprechen.

J.H.: Wir machen mit „Jubilate Deo“ ein Angebot für ältere Menschen in der gesamten Gemeinde, neue Kontakte zu knüpfen. Im Alter verliert man Freunde, Bekannte und Nachbarn, weil sie wegziehen müssen oder sterben. Im Chor trifft man gleich auf viele neue Gesichter. Man will etwas voneinander; denn man möchte miteinander singen. Aber jeder kann auch so viel Abstand halten, wie er braucht. Im Chor spielt keine Rolle, was man beruflich gemacht hat. Die politische Einstellung schlägt nicht zu Buche. Eingeladen sind Menschen aller Konfessionen. Die Chorproben sind eine gute Möglichkeit, andere kennenzulernen und sich selbst besser zu spüren – im Einander Zuhören und Miteinander Singen.

A.P.: Eigentlich braucht man nur zu den Proben zu kommen in den geraden Wochen des Jahres, dienstags zwischen 10:00 Uhr und 11:30 Uhr im Gemeindehaus am Markt. Wer vorher noch Fragen klären oder sich genauer informieren möchte, kann gerne mit mir telefonieren. Dienstags bis Freitags bin ich morgens unter der Nummer 02192-9372902 zu erreichen. Johannes Haun, der Vorsitzende von „Jubilate Deo“, ist auch zum Gespräch bereit, Tel.: 02196-8890248.

J.H.: Ich möchte den Anlass benennen, zum Mitsingen bei „Jubilate Deo“ einzuladen. Wir sind zur Zeit ganz gut besetzt mit 10 Sopran-, 7 Alt- und 5 Tenorstimmen sowie 3 Bässen. Da braucht niemand zu befürchten, auf sich gestellt zu bleiben. Aber das kann sich in den nächsten Jahren allein auf Grund unseres Alters stark ändern. Wir können doppelt so viele Sängerinnen und Sänger etwa vom 60. Lebensjahr an gut aufnehmen – auch ohne bisherige Chorkenntnisse, um rechtzeitig Erfahrung zu sammeln, mehrstimmig zu singen.

Und der andere Anlass: das Singen ist ein richtiges Lebenselixier. Es ist faszinierend, sich zu einem gemeinsamen Klagkörper zu verbinden und sich dabei selbst genau wahrzunehmen. Wir sind als Gruppe der Kirchengemeinde einfach da und machen – auch wenn wir inzwischen alt sind – unsern Mund auf zum Lob Gottes. Die Freude daran teilen wir gern.

Das Gespräch mit Kantor Andreas Pumpa führte Johannes Haun am 09. Januar 2026.

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