Tafelklavier

Tafelklavier von John Broadwood

Das Tafelklavier ist eine frühe Bauform des Klaviers, bei der die Saiten jedoch horizontal beziehungsweise quer und/oder schräg zur Tastatur verlaufen. Das Instrument entstand zu Anfang des 18. Jahrhunderts („Pantaleon“). Diese Konstruktion ermöglicht eine rechteckige Gestaltung des Gehäuses in Form eines Tisches („Tafel“). Aufgrund der kleineren Bauart nimmt es weniger Raum in Anspruch als ein Flügel. Die Idee dieser speziellen Bauform indes war nicht neu, sondern wurde bereits in der Renaissance und im Barock beim Clavichord und beim Virginal angewandt.

Tafelklaviere waren insbesondere ab dem Ende des 18. und im 19. Jahrhundert als Hausinstrumente sehr beliebt. Eine wichtige Rolle in der Verbreitung des Tafelklavieres spielten z.B. die Musiker Johann Christian Bach und Muzio Clementi, der einen Klavier- und Notenhandel betrieb. Gerade in England erlaubte die Erfindung der Dampfmaschine eine industrielle Fertigung und die Herstellung von großen Stückzahlen, viel früher als anderswo.

Berühmte Musiker wie Franz Schubert, Clara Schumann, Robert Schumann, Richard Wagner, Edward Elgar und Franz Liszt spielten und komponierten ihre Werke auch auf Tafelklavieren.

Ab 1850 wurden Tafelklaviere auch in Deutschland und in Österreich zunehmend industriell gebaut. Was vorher durch kleine Familienbetriebe gefertigt wurde, wurde jetzt teilweise in großen Serien mit bis zu 600 Mitarbeitern (z. B. John Broadwood & Sons) hergestellt. Die ersten Instrumente mit Streben, Rahmen und Anhangplatten aus Metall entstanden etwa Mitte der 1820er Jahre, um die immer größer werdende Saitenspannung abzufangen. Nach und nach wurden die Instrumente immer größer und schwerer, so dass der Platzgewinn gegenüber dem Flügel sich immer weiter verkleinerte.

Etwa um 1820 wurden Klaviere mit einem senkrechtem Saitenbezug weiterentwickelt (Giraffenklavier, Lyraflügel, Pianino, piano droit, Upright etc.) und benötigte unabhängig von den verbauten Saitenlängen nur wenig Stellfläche. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam das Tafelklavier daher allmählich aus der Mode und wurde in Europa nach 1870 kaum noch hergestellt. In den USA überlebte das Tafelklavier in handwerklicher Herstellung noch bis ca. 1900, zuletzt industriell 1888 in Serie gefertigt bei Steinway & Sons.

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